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Die Geschichte

Die Vereinsgründung im Jahre 1913 erfolgte in einer Zeit, in der es allgemein üblich war, die Festzüge, besonders auf Schützenfesten, von einem Trommler und einer Blaskapelle anzuführen. Spielmannszüge oder Knüppelmusiken, wie sie früher genannt wurden, waren hier nicht weit verbreitet.
Der Natzunger Josef Bröer, der von 1910 bis 1912 bei den Pionieren in Minden gedient und während seiner Militärzeit eine Trommlerausbildung erhalten hatte, gab wohl anläßlich des Schützenfestes 1913 die Anregung, künftig mehrere Trommler und auch Flöten der Blasmusik und damit dem Festzug voranmarschieren zu lassen. Da allgemein in der Bevölkerung bei den Haupt- und Heimatfesten ein besonderes Interesse am Gemeinschaftsleben besteht, fand seine Anregung schnell Anklang.
Es fanden sich auch genügend Interessierte, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Für die Übungsstunden wurden zunächst eine Trommel und zwei Flöten geliehen.
Wie fruchtbar die Arbeit gewesen sein muss, zeigt sich daran, dass der junge Verein bereits im Jahre 1914 den Festzug beim Schützenfest anführte und den Festzug beim Kriegerfest am 26. Juli 1914 in Borgentreich musikalisch umrahmte.
Der Ausbruch des 1. Weltkrieges brachte schon bald ein vorläufiges Ende des hoffnungsvollen Anfangs. Die jungen Mitglieder wurden zum Dienst an der Waffe für das Vaterland gerufen. Es dauerte bis zum Jahre 1920, dass der Verein die aktive Arbeit wieder aufnehmen konnte.
Auf Tischplatten wurde im Kuhstall eines Bauern das Trommeln geübt, bis nach und nach weitere Instrumente gekauft werden konnten. In den folgenden Jahren vergrößerte sich der Verein durch neue Mitglieder. Mit sehr viel Idealismus war es Ehrensache, bei den Schützenfesten dem Umzug voranzumaschieren.
Nach Wegzug des Gründers Josef Bröer übernahm Josef Vogt den Tambourstab. Unter seiner Leitung wurde auf der "Kuhweide" nach altem preußischen Drill geübt und die fleißige Arbeit trug gute Früchte. Der Verein kam in eine Blütezeit. Im Jahre 1930 übernahm Josef Bröer (ein Neffe des Vereinsgründers) die Führung des Vereins und führte ihn bis zum 2. Weltkrieg, durch welchen die Arbeit des Vereins auf's neue unterbrochen wurde. Nach 10-jähriger Zwangspause war ein Neuaufbau der "Knüppelmusik" sehr schwierig. Nur 6 Kameraden waren aus dem Krieg zurückgekehrt. Sie verstanden es im Jahre 1949 meisterhaft unter Leitung von Josef Bröer, den Verein wieder ins Leben zu rufen.
Infolge des Wirtschaftsaufschwungs ab den 50er Jahren verzogen viele aktive Mitglieder in die Städte, um neue Arbeitsplätze zu finden. Dadurch wurde der Verein so geschwächt, dass es ihm im in den Jahren 1962-1964 selbst nicht mehr möglich war, allein in Natzungen die eigenen Heimatfeste musikalisch zu umrahmen.
Im Jahre 1964 auf dem gerade stattfindenden Schützenfest ergriffen einige Jugendliche Eigeninitiative und baten bei den bisherigen Musikern um Ausbildung, die über die Bereitschaft der Interessenten erfreut waren und gern die Ausbildung übernahmen. In harter Arbeit bemühten sich die Altaktiven den neuen Schülern ihr musikalisches Können zu vermitteln. Große Unterstützung fand der Verein im Jahre 1965 in Johannes Remmert, den Betriebsleiter eines Natzunger Industriebetriebes.
Sein hervorragendes Können und die Ausdauer des Nachwuchses ließen es möglich werden, dass der stark verjüngte Verein zum Schützenfest 1965 in Natzungen wieder dem Festzug voranzog. Auch die auswärts wohnenden Mitglieder waren gekommen und wieder dabei. Die Stabführung teilten sich Johannes Remmert und Johannes Schröder. Rechtzeitig zum Schützenfest 1966 waren weiße Uniformjacken und Mützen angeschafft worden. Der Verein spielte ganz in weiß. Leider verzog Johannes Remmert im Jahre 1966; der Verein war wieder auf sich gestellt.
Da die jüngsten Jahre in der Vereinsgeschichte überaus erfolgreich verlaufen waren, konnten neue Uniformen angeschafft werden. Die Wahl viel auf rote Jacken mit Schiffchen. Die weißen Hosen wurden beibehalten. Im September 1972 wurde die neue Kleidung zum ersten mal getragen.
Im Jahre 1966 übernahm Gerhard Sendler die musikalische Leitung des Vereins. Mit besonderer Hingabe und großem Engagement widmete er sich dem Spielmannszug Natzungen. Nach siebenjähriger Mitgliedschaft hatte Gerhard Sendler 1972 im Alter von 22 Jahren den Vorsitz des damals 18 Mitglieder zählenden Vereins übernommen, nachdem er davor bereits fünf Jahre als Tambourmajor an der Spitze marschiert war.
Sein großen Interesse an der Musik machte es für den Verein möglich, immer mehr auswärtige Verpflichtungen anzunehmen. Der Verein wurde weit über die Grenzen des Heimatortes bekannt.
Ein Schreckenstag in den Analen der Vereinsgeschichte ist der 31. Juli 1971. Nach Teilnahme am Musikfest in Manrode verunglückte auf einer vorgesehenen Zwischenfahrt nach Hause das Vereinsmitglied Ubald Mikus mit seinem Pkw. Er und sein Beifahrer Meinolf Blume erlitten schwere Verletzungen. Ubald Mikus starb an den folgen dieses tragischen Verkehrsunfalls kurz nach Einlieferung in das nahegelegene städtische Krankenhaus im Alter von 21 Jahren.
Mit den befreundeten Nachbarspielmannszügen Rösebeck und Manrode wurde 1972 eine Kameradschaft geschlossen. Bis zum heutigen Tag finden jedes Jahr abwechselnd in den Orten Treffen zur Vertiefung der partnerschaftlichen Beziehungen statt.
Mit Rücksicht auf das im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Schützenfest in Natzungen, beging der Spielmannszug 1974 mit einem großen Musikfest sein 60-jähriges Bestehen. Höhepunkt des Festes war die Teilnahme das Musikvereins "Harmonie" aus Altusried/Allgäu, der insbesondere durch die Gestaltung eines bayrischen Abends die Bevölkerung erfreute. Zum ersten Musikfest in der Geschichte des Vereins wurde auch eine Festschrift herausgebracht. Auch das 65-jährige Bestehen das Vereins wurde unter Mitwirkung der bayrischen Musikfreunde aus Altusried mit einem großen Musikfest im Jahre 1978 gefeiert. Einen Gegenbesuch stattete der Spielmannszug 1979 den Altusriedern ab und verband die Fahrt mit einem Ausflug von der Zugspitze bis zum Bodensee. Zum 70-jährigen Bestehen des Vereins 1983 trafen sich alle aktiven, passiven und ehemaligen Mitgliedern mit Partnern sowie einigen Gästen zu einem Festakt.
Als Übungslokal hatte nach dem örtlichen Jugendheim und der Natzunger Gemeindehalle auch der Schulpavillon zur Verfügung gestanden. Die Räumlichkeiten, die zudem auch von anderen Gruppen genutzt wurden, reichten für den immer größer werdenden Klangkörper nicht mehr aus. Mit der Stadt Borgentreich konnte 1975 eine Vereinbarung über den Ausbau eines Raumes über den Nebenräumen der Turnhalle getroffen werden.
Die in Eigeninitiative verrichteten Arbeiten waren im April 1976 beendet, so dass ab diesem Zeitpunkt der Verein über ein geräumiges und ansprechendes Heim verfügt.
Dass ein Musikheim geschaffen wurde, ist vor allem Gerhard Sendler als Verdienst anzurechnen. Neben seiner Amtszeit als Vorsitzender konnte Gerhard Sendler 1997 auf das seltene 30jährige Dirigentenjubiläum zurückblicken.
Wie kein anderer kannte Gerhard Sendler die Natzunger Geschichte. Eine Vielzahl dieser Zeilen über die geschichtliche Entwicklung des Spielmannszug Natzungen stammen aus seiner Feder.
Gerhard Sendler verstarb nach langer Krankheit am 22. April 1998.
Bei der Übergabe des Vorsitzamtes im Jahre 1996 an seinen Nachfolger Elmar Hake gehörten dem Spielmannszug annähernd 100 Mitglieder an, von denen 41 aktiv musizieren.
Zur Jahrtausendwende kann der Verein auf ein 87 jähriges Bestehen zurückblicken.
Im Jahr 2002 feierte der Spielmannszug Natzungen sein 90 jähriges Bestehen. Hierzu konnte der Verein, in der Zeit vom 12. bis 15. Juli 2002 zahlreiche Gastvereine aus der Umgebung begrüßen. Der Höhepunkt des Festes war das Gemeinschaftsspiel aller Gastvereine am Ehrenmal. Unter der Stabführung des Brakeler Tambours Dirk Lüddecke spielten sieben Vereine gemeinsam die Märsche "Mit Sang und Klang" und den "Liebenmarsch". Am Montag, den 15. Juli fand das Fest bei einem Frühschoppen, zünftiger Blasmusik und einem anschließendem Kaffeetrinken für die Frauen seinen ausklang.
Zur Generalversammlung im Jahr 2004 konnte der Vorsitzende Elmar Hake Jürgen Bruns, Hans–Josef Drewes und Anton Scherf, die goldene Nadel des Volksmusikerbundes, für 40 Jahre aktive Zeit, verleihen. Leider erklärten alle Mitglieder, bis auf Jürgen Bruns, das Ende ihrer aktiven Zeit als Musiker im Verein.
Auch Heinz Krebs erklärte das Ende der aktiven Zeit und schied so auch aus dem Vorstand aus. Aufgrund seiner 32 jährigen aktiven Zeit im Verein, indem er 25 Jahre vorbildlich den Posten des 1. Kassierer ausübte, schlug Elmar Hake vor, ihn zum Ehrenmitglied des Vereins zu ernennen. Nach einer einstimmigen Wahl hat der Spielmannszug Natzungen ein Ehrenmitglied.

Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, viele Jugendliche an die Spielmannsmusik heranzuführen, auszubilden und zum gemeinsamen Miteinander in einem Verein anzuleiten.

Unter dem Motto "Musik verbindet" kann der Verein heute auf ein über 95-jähriges Bestehen zurückblicken.